Fragen & Antworten


Rund um eine neue Form von Schule entstehen oft viele Fragen.

Eine Schule, die vieles anders macht, als wir es gewohnt sind braucht auch Antworten.
Und manchmal auch Zeit, um ein Gefühl dafür zu entwickeln, ob dieser Weg für die Familie, als Berufsweg für Lernbegleiter*innen stimmig ist. Sowie zum nähern Verständnis für Grosseltern, Verwandte, Nachbarn, Politiker*innen, Unterstützer*innen und andere Interessierte.

Hier teilen wir häufige Fragen und unsere Antworten. 

Bei weiteren Frage freuen wir uns über die Kontaktaufnahme: schulleitung(at)villastaern.li

An der «Villa Stärn» begleiten wir maximal zehn Kinder pro Lernbegleiter*in. Dieser Betreuungsschlüssel ermöglicht eine enge Beziehung und eine aufmerksame Wahrnehmung jedes einzelnen Kindes. Lernen geschieht dabei nicht nur in direkter Begleitung – sondern auch durch die Gemeinschaft. Kinder erklären sich gegenseitig, beobachten einander und lernen voneinander (reziprokes Lernen).

Unsere Beziehung zu den Kindern ist von Vertrauen geprägt: Wir trauen ihnen zu, ihren Lernweg selbst zu gestalten und sich Unterstützung zu holen, wenn sie sie wirklich brauchen. Die Lernbegleiter*innen greifen dort ein, wo Begleitung sinnvoll ist – etwa bei einer emotionalen Blockade oder wenn ein Kind über längere Zeit nicht weiterkommt.

Neben den pädagogischen Fachpersonen arbeitet die «Villa Stärn» ergänzend mit Lernhelfer*innen, die den Schulalltag bereichern. Dazu zählen einerseits ausgebildete Klassenhilfen, die die Lernbegleiter*innen organisatorisch und pädagogisch unterstützen. Andererseits ist vorgesehen, auch Seniorinnen und Senioren als freiwillige Lernhelfer*innen einzubeziehen.

Ein weiterer zentraler Aspekt ist die vorbereitete Lernumgebung: Ateliers, Materialien und Strukturen sind so gestaltet, dass Kinder selbstständig tätig werden können. So wird Individualität nicht zum Hindernis, sondern zur Stärke – weil jedes Kind auf seine Weise, innerhalb eines klaren Rahmens, lernen darf.

Nein. Selbstbestimmtes Lernen bedeutet nicht, dass Kinder sich selbst überlassen sind. An der «Villa Stärn» begleiten wir sie bewusst, achtsam und innerhalb einer klar vorbereiteten Struktur. Unsere Lernbegleiter:innen gestalten Rahmen, Rituale und eine Lernumgebung, die Orientierung und Sicherheit geben.

Lernen geschieht bei uns nicht zufällig – es entsteht innerhalb einer klaren Struktur, durch vorbereitete Ateliers und gezielte Lernimpulse. Innerhalb dieses Rahmens gestalten die Kinder ihren Lernweg selbst, verfolgen eigene Fragen und übernehmen Verantwortung.

Im Unterschied zum laissez-faire-Ansatz basiert unsere Pädagogik auf bewusster Begleitung: Wir arbeiten aus Beziehung und Vertrauen heraus. Kinder lernen, Entscheidungen zu treffen, Verantwortung zu übernehmen und sich selbst zu organisieren – Fähigkeiten, die sie fürs Leben stärken.

Laissez-faire überlässt Kinder sich selbst.
Selbstbestimmtes Lernen begleitet sie auf ihrem Weg.

Jedes Kind führt seinen Lernschatz – ein wachsendes Portfolio, das Erlebnisse, Lernprodukte, persönliche Ziele und Erkenntnisse festhält. Gemeinsam mit der Lernbegleitung reflektiert das Kind wöchentlich, was es gelernt hat, wo es sich weiterentwickelt hat und welche nächsten Schritte es angehen möchte. Diese Selbstreflexion ist ein fester Bestandteil des Lernwegs und stärkt die Fähigkeit, das eigene Lernen bewusst zu gestalten.

Die Lernbegleiter*innen nehmen zusätzlich eine beobachtende Rolle ein. Sie dokumentieren Lernprozesse, erkennen Interessen, Herausforderungen und Fortschritte und bringen diese Beobachtungen gezielt in die Lerncoachings ein. So entsteht ein ganzheitliches Bild – getragen von kontinuierlicher Begleitung, Wahrnehmung und Dialog.

Mit wachsender Reife lernen die Kinder, eigene Ziele zu setzen und Wege zu entwickeln, wie sie diese erreichen können. Sie reflektieren ihr Lernen, hinterfragen Strategien und übernehmen Schritt für Schritt Verantwortung für ihren Lernprozess.

Das Konzept der «Villa Stärn» steht in der Tradition der Reformpädagogik und moderner Hirnforschung. Es vereint die Ideen bedeutender Pädagog:innen und Wissenschaftler:innen, die eines gemeinsam haben: das Vertrauen in die natürliche Lernkraft und Entwicklungsfähigkeit des Kindes. Lernen wird nicht als Belehrung verstanden, sondern als lebendiger, selbstgesteuerter Prozess, der in Beziehung und durch Erfahrung entsteht.

Maria Montessori
Montessoris Leitsatz «Hilf mir, es selbst zu tun» prägt den Alltag in der «Villa Stärn». Kinder lernen am besten, wenn sie selbst tätig werden und eine Umgebung vorfinden, die ihre Eigenständigkeit unterstützt. Die vorbereitete Lernumgebung, die freie Wahl der Tätigkeit und der respektvolle Umgang mit dem individuellen Lerntempo sind zentrale Prinzipien. Lernbegleiter:innen schaffen Bedingungen, in denen Kinder selbstbestimmt handeln und Verantwortung für ihr Lernen übernehmen können.

Heinrich Jacoby
Jacoby stellte die Frage, ob man Lernen überhaupt lehren kann – und kam zu dem Schluss, dass echtes Lernen aus eigenem Erleben, Forschen und Ausprobieren entsteht. Diese Haltung prägt auch die «Villa Stärn»: Kinder gestalten ihren Lernweg selbst, während die Begleitpersonen beobachten, unterstützen und gezielt Impulse geben, ohne den Prozess zu lenken. Lernen geschieht dort, wo Interesse, Bewegung und Erfahrung aufeinandertreffen.

Emmi Pikler
Von Emmi Pikler stammt der Fokus auf eigenständige Entwicklung durch freie Bewegung und verlässliche Beziehung. Ihre Erkenntnisse zeigen, dass Kinder in einer sicheren, achtsamen Umgebung ihre Kompetenzen selbst entfalten. Diese Haltung des achtsamen Nicht-Eingreifens prägt auch die «Villa Stärn»: Lernbegleiter:innen vertrauen auf die Selbsttätigkeit der Kinder und begegnen ihnen mit Respekt und Empathie. So entsteht eine Kultur des Vertrauens, die Entwicklung und Lernen ermöglicht.

Jesper Juul
Jesper Juul betonte die Bedeutung von Gleichwürdigkeit und Beziehung. Kinder brauchen keine perfekten Erwachsenen, sondern authentische Gegenüber, die sie ernst nehmen und mit ihnen in echtem Kontakt stehen. In der «Villa Stärn» ist Beziehung die Grundlage jedes Lernprozesses. Erwachsene verstehen sich nicht als Autoritäten, sondern als Begleiter:innen, die Orientierung geben, ohne zu dominieren.

Gerald Hüther
Gerald Hüther zeigt mit seinen neurowissenschaftlichen Erkenntnissen, dass nachhaltiges Lernen dann gelingt, wenn das Gehirn in einen Zustand von Freude, Begeisterung und Sinn eingebunden ist. Kinder lernen, wenn sie emotional berührt sind und sich sicher und verbunden fühlen. Motivation entsteht von innen heraus. Deshalb legt die «Villa Stärn» grossen Wert auf ein Umfeld, das Neugier, Entdeckerfreude und Selbstwirksamkeit fördert.

Jean Piaget
Jean Piaget beschrieb das Kind als aktiven Konstrukteur seines Wissens. Es nimmt die Welt nicht einfach auf, sondern erschliesst sie sich durch eigenes Handeln und Denken. Diese konstruktivistische Sichtweise bildet eine zentrale Grundlage des Lernkonzepts der «Villa Stärn». Lernen ist ein individueller, dynamischer Prozess, der an die jeweilige Entwicklungsstufe angepasst ist.

Remo Largo
Remo Largo zeigte, dass sich jedes Kind in seinem eigenen Rhythmus entwickelt. Es gibt keine Norm, nach der sich Entwicklung messen lässt. Seine Forschung macht deutlich, dass Bildung sich am Kind orientieren muss – nicht am Alter oder an standardisierten Erwartungen. Die «Villa Stärn» schafft Raum für unterschiedliche Wege, Tempi und Interessen.

Zusammenfassend:
Die «Villa Stärn» verbindet reformpädagogische Traditionen mit moderner Entwicklungs- und Hirnforschung. Im Mittelpunkt steht das Kind als kompetentes, neugieriges und soziales Wesen. Lernen geschieht durch Beziehung, Selbsttätigkeit und die Freude am eigenen Entdecken. Die Lernbegleitung vertraut darauf, dass jedes Kind alles mitbringt, was es braucht – wenn es Zeit, Raum und Vertrauen erhält.

Die Grundkompetenzen haben in der «Villa Stärn» einen hohen Stellenwert. Unser Lernangebot orientiert sich am Liechtensteiner Lehrplan (LiLe), und alle Kinder entwickeln die zentralen Kompetenzen der Primarstufe – in ihrem eigenen Tempo und auf ihrem individuellen Lernweg.

So stellen wir die Grundkompetenzen sicher:

Starke Verankerung in der Lernumgebung
Lesen, Schreiben und Rechnen haben in den Ateliers und Materialien einen zentralen Platz. Die Lernumgebung ist so vorbereitet, dass Kinder immer wieder auf natürliche Weise mit Sprache, Zahlen und grundlegenden Kulturtechniken in Kontakt kommen.

Regelmässige Lernimpulse durch Lernbegleiter*innen
Grundkompetenzen werden nicht dem Zufall überlassen. Sie werden gezielt eingeführt und vertieft – in Lernimpulsen, in Kleingruppen oder individuell. Die Lernbegleiter*innen beobachten den Entwicklungsstand jedes Kindes und setzen passende Impulse.

Altersdurchmischtes Lernen als Motor
Jüngere Kinder erleben ältere beim Lesen, Schreiben, Rechnen, Forschen und Erklären. Diese Vorbildwirkung schafft natürliche Zugänge und motiviert.

Vertrauen in individuelle Lernwege
Kinder entwickeln diese Kompetenzen in unterschiedlichem Tempo. Erfahrung und Forschung zeigen, dass nahezu alle Kinder sie zuverlässig entwickeln – wenn sie passende Lerngelegenheiten, Beziehung und Motivation erfahren.

Systematische Beobachtung & Lernschatz
Die Entwicklung wird kontinuierlich dokumentiert. In Lerncoachings und im Lernschatz reflektieren Kinder gemeinsam mit ihrer Lernbegleitung ihren Lernstand und ihre nächsten Schritte.

Gezielte Unterstützung bei Herausforderungen
Wir reagieren mit Ruhe und Vertrauen. Wenn ein Kind jedoch gegen Ende der Mittelstufe noch nicht lesen kann, wird gemeinsam mit den Eltern entschieden, welche Unterstützung sinnvoll ist.

Natur ist ein fester Bestandteil unseres Lernalltags. Ein Teil des Lernens findet draussen statt – beim Forschen, Bauen, Beobachten, Bewegen oder im freien Spiel. Viele Lerngelegenheiten entstehen aus realen Situationen: Wetter, Materialien, Jahreszeiten, Tiere, Pflanzen oder Körpererfahrungen.

Kinder lernen dabei Mathematik, Sprache und Sachwissen eingebettet in echte Kontexte. Natur stärkt Selbstwirksamkeit, Konzentration, Kreativität und soziale Kompetenzen – zentrale Grundlagen unseres Lernverständnisses.

Fehler sind ein natürlicher und wertvoller Teil des Lernens. Sie zeigen, wo ein Kind steht, eröffnen neue Wege und fördern die Lernhaltung.

Wir arbeiten ohne Bewertung. Kinder reflektieren gemeinsam mit der Lernbegleitung ihre Erfahrungen, probieren neue Lösungswege aus und erkennen ihre Fortschritte im Lernschatz. Eine wertschätzende Fehlerkultur stärkt Mut, Selbstvertrauen und Kreativität.

Noten und Prüfungen bilden individuelle Lernprozesse oft nur unzureichend ab und erzeugen Druck. Unser Ziel ist es, dass Kinder aus innerer Motivation lernen – nicht aus Angst vor Bewertung.

Stattdessen setzen wir auf:

  • den Lernschatz als wachsendes Portfolio
  • regelmässige Lerncoachings
  • Beobachtung, Austausch und Reflexion
  • klare Kompetenzorientierung nach LiLe

Wir lassen uns von bestehenden Schulmodellen inspirieren. Ein direktes Kopieren ist aus unserer Sicht jedoch nicht sinnvoll. Schulen sind keine fertigen Baupläne: Rahmenbedingungen sind unterschiedlich – rechtlich, kulturell, organisatorisch und im konkreten Alltag.

Vor allem aber stehen hinter jeder Schule Menschen. Und Menschen arbeiten mit eigenen Werten, Haltungen, Stärken und Erfahrungen. Genau diese persönliche Handschrift macht eine Schule lebendig.

Unsere Schulbesuche verstehen wir deshalb nicht als «Copy-Paste», sondern als Lernräume. Wir fragen: Was trägt dort wirklich? Was überzeugt uns fachlich und menschlich? Was passt zu Liechtenstein – und zu dem, wofür wir als «Villa Stärn» stehen?

So entsteht Qualität nicht durch das Kopieren eines Systems, sondern durch ein stimmiges, authentisches Gesamtkonzept – getragen von Haltung, Beziehung und Verantwortung.

An der «Villa Stärn» übernehmen Erwachsene unterschiedliche Rollen – alle mit dem gemeinsamen Ziel, Kinder in ihrer Entwicklung achtsam zu begleiten und einen tragfähigen Rahmen für selbstbestimmtes Lernen zu schaffen.
 

Lernbegleiter*innen

Lernbegleiter*innen sind die zentralen Bezugspersonen im Alltag der Kinder.

Sie:

  • begleiten Kinder individuell in ihren Lern- und Entwicklungsprozessen
  • beobachten, hören zu und nehmen wahr
  • setzen gezielte Impulse, wenn sie sinnvoll sind
  • führen Lerncoachings und Reflexionsgespräche
  • schaffen Struktur, Orientierung und eine verlässliche Beziehung

Sie verstehen sich als Begleiter*innen auf Augenhöhe, die Vertrauen geben und Entwicklung ermöglichen.

 

Lernhelfer*innen

Lernhelferinnen ergänzen die Arbeit der Lernbegleiterinnen und bereichern den Schulalltag.

Dazu gehören:

  • Klassenhilfen, die organisatorisch und pädagogisch unterstützen
  • Menschen mit unterschiedlichen Fähigkeiten und Erfahrungen, die punktuell mitwirken
  • auch Seniorinnen und Senioren, die ihre Zeit und ihr Wissen einbringen

Sie bringen zusätzliche Perspektiven, Ruhe und Vielfalt in den Alltag.

 

Schulleitung

Die Schulleitung trägt die pädagogische und organisatorische Gesamtverantwortung.

Sie:

  • gestaltet die Ausrichtung und Weiterentwicklung der Schule
  • begleitet das Team in seiner Arbeit
  • ist Ansprechperson für Eltern
  • sorgt für klare Strukturen und einen verlässlichen Rahmen

Sie verbindet Haltung, Organisation und Entwicklung.



Eltern als Bildungspartner*innen

Eltern sind ein wichtiger Teil der Schulgemeinschaft.

Wir verstehen Eltern nicht als Aussenstehende, sondern als Bildungspartner*innen, die:

ihr Kind in seinem Lernweg begleiten
im Austausch mit der Schule stehen
Einblick in Prozesse erhalten
und gemeinsam Verantwortung mittragen

So entsteht ein tragendes Netzwerk rund um das Kind.

 

Zusammengefasst

Alle Erwachsenen an der «Villa Stärn» tragen gemeinsam dazu bei, einen Lernort zu gestalten, der von Vertrauen, Beziehung und Klarheit geprägt ist.

Die Rollen sind unterschiedlich – die Haltung ist gemeinsam:
Kinder folgen ihrem inneren Kompass – begleitet, gestärkt und getragen vom Vertrauen der Erwachsenen.

Wie erreichen Kinder die «Villa Stärn»?

Die Organisation des Schulwegs liegt grundsätzlich bei den Familien.

Die «Villa Stärn» ist gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar. Der kostenlose Ortsbus fährt ab Schaan Post bis nach Dux.
Gerne unterstützen wir bei der Vernetzung unter den Familien zur Bildung von Fahrgemeinschaften.